Mantra: Und auf einmal steht es neben dir
- Hanna Kuschel

- 23. Jan.
- 1 Min. Lesezeit

Das Mantra heute ist halb Mantra, halb Gedicht. Oder auch: halb Worte, halb Gefühl.
Es ist ein Gedicht von Joachim Ringelnatz. Ich habe es in einem Gedichteband im Pflegezimmer meiner Mutter gefunden. Ich saß da also an der Seite meiner nicht-ansprechbaren Mutter, unter mir der sterile PVC-Boden, um mich herum weitere alte und gebrechliche Menschen.
Und als ich das Gedicht fertig gelesen hatte, überkam mich ein warmes Gefühl. Ein Gefühl von: Leichtigkeit, Zuversicht, Hoffnung.
Weil wir eben nie wissen, wann sich ein Wunsch erfüllt. Und es sein kann, dass es plözlich neben dir steht - das, was du dir sehnlich wünschst.
Und auf einmal steht es neben dir
von Joachim Ringelnatz (aus 1933)
Und auf einmal merkst du äußerlich:
Wieviel Kummer zu dir kam,
Wieviel Freundschaft leise von dir wich,
Alles Lachen von dir nahm.
Fragst verwundert in die Tage.
Doch die Tage hallen leer.
Dann verkümmert Deine Klage
Du fragst niemanden mehr.
Lernst es endlich, dich zu fügen,
Von den Sorgen gezähmt.
Willst dich selber nicht belügen
Und erstickst, was dich grämt.
Sinnlos, arm erscheint das Leben dir,
Längst zu lang ausgedehnt.
Und auf einmal: Steht es neben dir,
An dich angelehnt
Was?
Das, was du so lang ersehnt.



Kommentare