Kolumne: Exposition soziale Angst beim Tanzen in Rio de Janeiro
- Hanna Kuschel

- vor 7 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Da stand ich also in diesem brasilianischen Tanzlokal an meinem zweiten Tag in Rio de Janeiro. Um mich herum wurde getanzt. Da wurden Hüften aneinander geschmiegt, Wangen lagen an Wangen, es wurde ge-chachacha-t, gedreht und getwistet. Lebensfreude pur. Das alles bei 32 Grad. Also jeder war klitschnass, das als Randnotiz.
Und ich stand da und dachte: Boah, wie cool! Echtes Leben, das will ich irgendwie auch!
Und auch: Bleibt mir bloß weg! Hoffentlich kommt mir hier keiner zu nah 😆❌️
Da kommt ein brasilianischer Mann kommt auf dich zu und sagt: Gnosdaunsgpdbn
Du sagst: Haha! I don't speak Portuguese!
In Wirklichkeit denkst du:
Komm mir bloß nicht zu nah!
Ich möchte entscheiden, wen ich so nah an mich ran lasse
Ich kann den Tanz nicht und will mich hier nicht zum Otto machen
Ich kann die Sprache nicht und kann mich nicht erklären
Ich möchte nicht in eine Situation mit jemandem, in der ich mich so ausgeliefert fühle
Dann denkst du:
Sieht schon nach Spaß aus
Auf eine Tanzparty gehen und es noch nicht mal probieren... das geht ja auch nicht
Ich probiere es mal aus
Ich hab mich dann doch eingelassen. Hab meine nasse Backe an eine nasse, brasilianische Backe gelegt. Obwohl ich die Sprache nicht spreche und den Tanz nicht kann. Hab mich nach und nach eingelassen...
Und es wurde richtig, richtig schön! 🤩 Einmalig schön sogar! Okay, vielleicht hat es geholfen, dass mein Tanzpartner hot war, aber das darf ja auch sein 😋😄💃












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