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"Wann lohnt es sich, um eine junge Beziehung zu kämpfen?" beantwortet

Autorenbild: Hanna Kuschel
Hanna Kuschel
vor 4 Stunden
5 Min. Lesezeit
"Wenn alles so bliebe, wie es aktuell ist, würde es dich auf Dauer glücklich machen?" Die wichtigste Beziehung ist die zu uns selbst. Man möchte doch mit jemanden zusammen sein, der sich für einen interessiert und dem man wichtig ist. Niemals Potenzial daten.
"Wenn alles so bliebe, wie es aktuell ist, würde es dich auf Dauer glücklich machen?" Die wichtigste Beziehung ist die zu uns selbst. Man möchte doch mit jemanden zusammen sein, der sich für einen interessiert und dem man wichtig ist. Niemals Potenzial daten.

Liebe Frau Dr. Kuschel,

wie unterscheidet man zwischen einer jungen Beziehung, für die es sich lohnt, zu kämpfen, weil beide ihre Themen haben und daran wachsen können, und einer Beziehung, in der man zu sehr am Potenzial des anderen festhält, obwohl die eigenen Bedürfnisse immer wieder zu kurz kommen?

Deine unentschlossene Kämpferin



Liebe unentschlossene Kämpferin,


deine Frage ist kurz und lässt einiges offen. Was genau das Problem ist, was ihr schon probiert habt, welche Verletzungen schon da sind und wie lange schon. Anderes kann ich herauslesen: Dass du wahrscheinlich die Person bist in eurer Beziehung, die mehr will. Sonst wäre dein Leidensdruck nicht da. Wärst du die Person, die weniger will, wäre es anders. Du hättest die Macht über eure Beziehung. Du würdest bestimmen, wann ihr euch seht, wieviel Kontakt ihr habt, wieviel Nähe da ist. Der, der weniger will, macht sich weniger abhängig. Das ist eine Machtposition und komfortabel. Deine Situation aber ist nicht komfortabel. Du fühlst dich nicht gesehen in deiner jungen Beziehung und es lässt dich am Gesamtkonstrukt zweifeln.


Unsere Konflikte begleiten uns so lange bis sie gelöst werden


Die Konflikte, die wir schon früh in einer Beziehung haben, werden so lange wiederkommen bis sie gelöst werden. Das heißt: Sehr wahrscheinlich wird euch das Thema, das ihr gerade miteinander habt, weiter begleiten. Was nicht heißt, dass es unlösbar ist. Nur, dass es ein grundsätzliches Thema sein könnte und dass es sich lohnt, genauer draufzuschauen. Es ist außerdem wahrscheinlich, dass sich das Thema hochskaliert und größer wird als es aktuell schon ist.


Eure Dynamik


Was nur du weißt: Wie eure Gesprächskultur ist und welche Dynamik ihr miteinander habt. Wer sucht das Gespräch? Wer macht die Themen auf, wer will Reaktion und Veränderung? Und wer geht auf Rückzug?

Fühlst du dich sicher genug, dein Thema offen zu adressieren? Hast du es schon angesprochen? Oder gibt es ein Restrisiko, dass die andere Person noch nicht verstanden hat, was in dir vorgeht, was dir wichtig ist und von welchem Ursprungsort dein Verhalten kommt?


Wie ansprechen? Kritisierend?


Und dann: Wie hast du es angesprochen? War es schlecht gelaunt, kritisierend, vielleicht drohend: „Das war zu wenig, wieder hast du, wenn sich das nicht ändert, bin ich weg“. Oder hast du es schweigend zur Kenntnis genommen, traurig, verletzt und in dich gekehrt? Kritik wird nicht das Ergebnis bringen, das du dir wünschst. Man kann sich Personen nicht zurecht kritisieren. Negative Bewertung und ständiges Nörgeln bringen Personen eher dazu, sich zurückzuziehen. Außerdem bringt es unser Nervensystem in einen permanenten Alarmmodus.


Ansprechen und eigene Unsicherheiten offenbaren


Oder hast du es angesprochen und dich selbst offenbart? „Dein Verhalten hat mich verunsichert und mir Angst gemacht, dass ich dir vielleicht nicht wichtig genug bin. Du bist mir sehr wichtig, ich möchte im Kontakt mit dir sein und mehr von dir mitbekommen“. Mit der Selbstoffenbarung gehen wir in den Vertrauensvorschuss. Wir öffnen uns mit unseren Unsicherheiten und Ängsten. Zeigen der anderen Person, was wirklich in uns vorgeht. Erklären vielleicht, wo unser Verhalten und unsere Ängste herkommen: „Ich wurde in der Vergangenheit häufiger verletzt und das macht es mir schwer, mich fallen zu lassen in einer Beziehung.“ Und ich weiß, wie beängstigend sich das anfühlen kann, emotional so blankzuziehen, seine komplette Bedürftigkeit in die Hände des anderen zu legen und nicht zu wissen, was die andere Person damit macht. Und dass man sich wie ein bedürftiger Trottel fühlt, wenn man das macht. Nur: Wir sind alle bedürftig. Und für den größeren Zweck, eure Beziehung, braucht es diese Selbstoffenbarung, diese Verletzlichkeit, um Nähe zu schaffen. Und den Glauben daran, dass ihr das gemeinsam schafft.


Wie Verhaltensänderungen entstehen


Hast du dann das Verhalten eingeladen, das du dir wünschst? „Es interessiert mich, was du machst, wie du den Tag verbringst. Es würde mir helfen, wenn du mir ab und zu am Tag kurze Nachrichten schreibst, sodass ich weiß, dass alles okay ist. Es reicht auch ein unkommentiertes Foto.“

Verhaltensänderungen entstehen dadurch, dass wir das gewünschte Verhalten einladen, einen positiven Rahmen dafür setzen und das positiv bestärken, was schon da ist, was gut läuft. „Danke für das kurze Update, musste voll lachen beim Foto von deinem Müllsack.“ Verhaltensänderungen entstehen auch, wenn wir eine positive Erwartung vom Gegenüber haben. Vom Besten ausgehen, glauben „Das wird schon“, anstatt „Das klappt eh nie“. Ein positives Framing beruhigt außerdem das Nervensystem, sodass man nicht im ständigen Konfrontations- und Alarmmodus ist.


Eure Dynamik: Nach 2-3x Ansprechen würde ich es lassen


Nochmal zu eurer Dynamik: Ich finde es wichtig, anzusprechen, was man sich wünscht und was einem wichtig ist in der Beziehung. Es kann helfen, den Gesprächsrahmen so zu gestalten, dass beide gut zuhören können: „Wann hast du ein gutes Ohr dafür, dass ich dir etwas Wichtiges sagen kann?“ Nach einem stressigen Arbeitstag kann man vielleicht weniger gut zuhören als an einem ausgeschlafenen Sonntagmorgen. Dann also: ansprechen. Einmal, oder zwei Mal oder vielleicht sogar drei Mal. Und dann würde ich es lassen. Ansonsten kommt ihr in eine Dynamik, wo du die Verfolgerin bist und die andere Person die Verfolgte. Wenn Einladungen ausgesprochen werden und man immer wieder abgelehnt wird oder keine Veränderung entsteht – Das ist eine unwürdige Rolle. Dann macht es Sinn, dich auf dich zu konzentrieren und dich abzuwenden.


Beziehung heißt: Aufeinander bezogen zu sein. Du darfst verlangen, dass die andere Person einen Schritt auf dich zu geht.


Lass uns den Blick nochmal auf das große Ganze werfen, auf eure Beziehung. Beziehung heißt, sich aufeinander zu beziehen. 50% du, 50% ich. Man möchte doch mit jemandem zusammen sein, der sich für einen interessiert. “Hast du Interesse daran, zu hören, wie es mir geht und was mir wichtig ist?” Dann könnte dein Gegenüber sagen: “Was brauchst du von mir, was kann ich tun, damit du dich besser fühlst in Situationen X, Y und Z? Das kann ich leisten. Und das kann ich nicht leisten. Können wir einen Kompromiss finden?” Die andere Person könnte zum Beispiel auch sagen: “Ich will dich ja an meinem Leben teilhaben lassen. Nur wenn du mir drei lange Sprachnachrichten pro Tag schickst, dann entsteht bei mir ein Druck, dass ich darauf eingehen und reagieren muss. Für mich wäre es leichter, wenn du mir kurze Zweizeiler schickst und wir ausgiebig quatschen, wenn wir uns sehen.”


Nicht ins Interesse quatschen


Und sonst: Wenn der andere kein Interesse an Veränderung hat, dann können wir ihn da nicht reinquatschen. Dann ist es wichtig, das zu sehen, was da ist. Die Person ernst zu nehmen, so wie sie ist, sie so sein zu lassen, wie sie ist. Niemals Potenzial daten.


Also: Lohnt es sich für dich, um die Beziehung zu kämpfen?


Das kann ich dir nicht sagen. Hier ein paar Leitfragen:


  • Wenn alles so bliebe, wie es aktuell ist – könntest du damit leben?

  • Würde es dich langfristig glücklich machen?


Das ist der nüchterne Blick auf die Dinge, ohne die Verblendung durch das Potenzial.

Ich finde es wichtig, auch dich ernst zu nehmen. Dein Bedürfnis nach Bezogenheit ernst zu nehmen. Die wichtigste Beziehung, die wir haben, ist die Beziehung zu uns selbst.


Eventhinweis für Singles in München:

Am 20.11.2026 veranstalte ich einen Dialogabend in München. Ein Abend nur für Single-Frauen und ihre Themen: Impulse bekommen, Klarheit über Beziehungen gewinnen, sich gemeinsam stärken. Ich freue mich auf dich!

 
 
 

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