Kolumne: Vorbereitungen vor Date No. 6
- Hanna Kuschel

- vor 3 Tagen
- 2 Min. Lesezeit

Dass die Stadt voll sein wurde, war ja eigentlich klar. Mittwochabend vor dem verlängerten Wochenende. Jeder, der alle Sinne beisammen hatte, würde seine Koffer packen und verreisen. Wir schoben uns also zusammen mit allen anderen durch den Münchner Stadtverkehr. Die Uhr im Golf zeigte 18 Uhr. Also war es 19:03 Uhr, seit der Zeitumstellung vor Monaten ging die Uhr falsch. Jetzt noch schnell Claudia absetzen und dann fix zum Einkaufen – die letzte Chance vor dem Date mit Mr. X am nächsten Tag, dem Feiertag.
Ich hatte bereits zwei halbe Tage damit verbracht, ein passendes Rezept für unser Date zu finden.
Salat sollte es werden, weil ich gesagt hatte, dass ich wenig koche, aber viel Salat mache. „Dann will ich einen deiner Standardsalate probieren“, so sein Vorschlag. Das Problem: mit meinem Klassiker, dem Kichererbsensalat, würde jegliche Chance auf spätabendliche Romantik – im wahrsten Sinne des Wortes – weggeblasen. Die Herausforderung war es also, einen Salat zu finden, der nicht bereits beim Zutatenlesen Flatulenzen verursachte. Nach ausgiebiger Recherche unter ungläubigem Kopfschütteln (Bohnensalat, Linsensalat, Blumenkohlsalat) entschied ich mich dann doch für meinen zweiten Klassiker: Rote-Beete-Salat mit Feta und Nüssen und der vagen Idee, dem Ganzen noch irgendwie einen interessanten Twist zu geben. Vielleicht, indem ich den Feta überbacke, mit einer Mischung aus Feigen, gehackten Nüssen, Ahornsirup und Thymian.
19:23 Uhr war es, als ich mein Auto abstellte und aufs Fahrrad wechselte. Weniger als eine Stunde blieb mir nun für den Einkauf. Ich steuerte direkt Richtung Feinkostabteilung Galeria Kaufhof, weil ich wusste, dass ich da alle Zutaten für meinen Rote-Beete-Salat-mit-Twist bekam. An der Kasse traf mich fast der Schlag: 98 Euro! 98 Euro, um Salat mit Twist bei Date No. 6 mit einem Typen zu machen, der es bestimmt wieder nicht wert ist. Ich schluckte und zahlte. 98 Euro für einen Fremden, what the f***. 98 Euro - und das Ganze zubereiten und Wohnung putzen musste ich ja auch noch, na vielen Dank! Gar keinen Bock grad auf den Typen. Der hat es sich ja schön einfach gemacht.
Ich belud mein Fahrrad mit den Einkäufen. Je ein Einkaufsnetz auf eine Lenkerseite, die letzte Tasche vorne in den Korb - dabei stets bemüht um die Balance meines Rads. Beherzt und mit 98-Euro-Aggression beladen trat ich in die Pedale. Keine 300 Meter weiter, da hatte sich mein Einkaufsnetz durch meine Fahrradspeiche gewickelt. Es baumelte unter der Fahrradgabel durch, auf der falschen Seite. Lage kompliziert, Weiterfahrt unmöglich. Mit einem Ruck holte ich das Netz zurück – es flatschte satt und der Inhalt einer Creme Fraiche ergoss sich über meinen Reifen. Da stand ich also mitten auf einer vielbefahrenen Kreuzung in Münchens Innenstadt und wischte Creme Fraiche aus den Speichen. Entnervt bestieg ich das Rad und setzte meine Heimfahrt fort.
Wenige Momente später verschluckte ich eine Fliege 🪰
Dieser Text ist vom Sommer 2022



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