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- Kolumne: Vom Dating, der Hoffnung und Enttäuschung
Dieser Text erschien zuerst am 20.11.2023 auf amazedmag. In den vergangenen drei Jahren habe ich rund 50 Männer kennengelernt. Für ein zweites Date hat es selten gereicht, noch seltener für ein drittes. Ist die Hürde von Date 3 aber genommen, dann startet das richtige Kennenlernen. Dann tastet man sich Schritt für Schritt vor. Lotet Gemeinsamkeiten aus und Unterschiede. Wie lebst du, was ist dir wichtig, was ist deine Love Language, und überhaupt: Pommes mit Ketchup oder mit Mayo? Es fühlt sich an, als würde man in einem Computerspiel Level für Level vorwärts rücken. Ist ein Level geschafft, wurden also die Prüfungsaufgaben des Levels bewältigt und als positiv beschieden, so zieht man ins Nächste weiter. Und wie bei Donkey Kong wird’s mit jedem Level schwerer, denn irgendwann kommen Gefühle dazu – und dann wird’s kompliziert. Meine vollkommen subjektiven Levels im Dating-Game mit den jeweiligen Prüfungsaufgaben, die es zu bewältigen gilt, sehen so aus: Level 1: das Einstiegslevel, Date 1: ansprechendes Äußeres, gepflegte Zähne, kompatibler Körpergeruch, stellt interessierte Fragen Level 2: Einstieg Plus, Date 2: funktionierende schriftliche Kommunikation, ähnliche Interessen, anregende Gespräche Level 3: Intermediate, Date 3 und folgende: ähnliche Werte, Anerkennung dessen, dass Frauen heutzutage noch nicht gleichgestellt sind, das System jahrhundertelang von Männern gemacht wurde und Männer daher Privilegien genießen, Sex Level 4: der Endgegner, ab Date X?: emotionale Verfügbarkeit, beidseitige Bindungsfähigkeit, ein Paar werden, gegebenenfalls Heirat Wobei, ein Level habe ich vergessen. Nennen wir es Level Hoffnung. Das Besondere an diesem Level ist: Es läuft bei jedem Level mit und steigt kontinuierlich an. Level Hoffnung läuft immer mit und steigt kontinuierlich an. Level Hoffnung beinhaltet: Hoffnung auf ein Leben zu zweit, auf einen Partner in Crime, einen Seelenverwandten, dem ich nur einen Blick zuwerfen muss, um zu wissen, was er denkt. Hoffnung auf gemeinsam in den Urlaub fahren, genau dahin und auf die Art, wie ich es mag – weil wir eh immer Ähnliches wollen. Hoffnung auf: Mal endlich nicht alle Regale selbst tragen zu müssen, mal ein Essen gekocht zu bekommen, Alltagsmomente nicht mehr im Familienchat teilen zu müssen. Hoffnung darauf, von jemandem auserwählt zu werden, für jemanden die Nummer eins zu sein, zu wissen, er würde MIR schreiben, wenn sein Flugzeug gerade abstürzt. Hoffnung auf: endlich mal weich sein zu dürfen. Endlich mal verletzlich sein zu dürfen. Jemandem mal was mitzubringen, ohne dass ich gleich needy daherkomme. Abends „Schlaf schön, ich denk an dich 😘“ zu schreiben. Endlich mal wieder ein positives Lebensereignis zu haben, ein neuer Freund, yeay, das wär doch cool. Irgendwann kommt man beim Dating an einen Punkt, da wird Level Hoffnung zerstört. Irgendwann kommt man beim Dating an einen Punkt – meistens zwischen Level Intermediate und Level Endgegner – da wird Level Hoffnung zerstört. Da geht es nicht weiter. Da zerbröckelt all das, was ich mir heimlich ausgemalt habe. Aus unterschiedlichen Gründen: Weil man mit dem näheren Kennenlernen merkt, dass es doch nicht passt. Oder weil der Andere doch noch nicht emotional verfügbar ist. Dating ist immer auch eine Frage des richtigen Timings. Und dann tut das weh. Persönlicher als „Nein, ich will dich als Mensch nicht an meiner Seite“ kann eine Absage nicht werden. Auch, wenn Dating-Gurus predigen, diese Ablehnung als Freiheitsschlag zu sehen – dann war es eben nicht „deine Person“. Und es tut auch weh, wenn ich selbst die Partei bin, die das Ende ausruft. Und ich behaupte mal, dieser Moment, in dem klar wird „Hier geht’s nicht weiter“, der tut für einen kurzen Moment sogar mehr weh, als wenn eine Beziehung nach Jahren in die Brüche geht. Da hat man es ja wenigstens probiert, da kannte man die Unarten des Partners. Aber beim Dating liebäugelt man ja auch mit der Illusion eines Menschen: Das ist jetzt vielleicht der, der mir all meine Träume erfüllt. Mit einem potenziellen Partner kommt auch eine potenzielle Zukunft: so könnte unser gemeinsames Leben aussehen. Eine Idealisierung – und im Moment der Enttäuschung kracht’s im Herzchen. Zurückgeworfen aufs Single-Dasein: zurück zu 1000 Möglichkeiten bei null Bock Dann wird man zurückgeworfen aufs Single-Dasein. Zurück auf Level Einstieg Minus: Alles auf Anfang, zurück zum Swipen, zurück zu 1000 Möglichkeiten bei null Bock, zurück zu „Und was machst du beruflich?“. Dabei hatte ich mich doch grad ein bisschen an jemanden gewöhnt. Dazu kommt die Scham. Die Scham darüber, dass ich mir so sehr einen Partner wünsche, es aber schon wieder nicht geklappt hat. Die Scham darüber, dass ich schon wieder nicht richtig einschätzen konnte, ob es sich lohnt, in eine Person zu investieren oder nicht. Dass ich falsche Hoffnungen hatte. Dass ich es zu viel will. Oder zu wenig. Oder zu hohe Ansprüche habe. Oder beim Letzten sogar Kompromisse eingegangen bin, und es trotzdem nicht gereicht hat. Oder die Scham, dass ich es überhaupt noch probiere und mich nicht einfach mit einem partnerlosen Leben settle, ein hyper-unabhängiges Leben aufbaue, auf Männer scheiße und ein Start-up hochziehe. Das scheint heutzutage der einzige, gesellschaftlich akzeptierte Lebensentwurf für Single-Frauen Mitte dreißig zu sein: keine Kinder und Familie? Dann eben vollen Fokus auf Karriere. Dabei empfinde ich einen Partner als eine Bereicherung. Es muss halt der richtige sein. „Boah, ich könnte das ja nicht mehr, dieses Dating“ „Boah, ich könnte das ja nicht mehr, dieses Dating“, sagen mir manchmal Leute in langjährigen Beziehungen. Als wäre man jetzt Ware auf einem Ramschmarkt, der wirklich nur noch verabscheuungswürdig ist. Tatsächlich formulierte es ein Bekannter letztens: Ü30-Dating sei ein „Gebrauchtwarenmarkt mit Produkten von zweifelhafter Qualität“. Was ich solchen Leuten an den Kopf werfen will: „Wann habt ihr denn das letzte Mal mit Zunge geknutscht? Oder ein Gespräch geführt, in dem es um mehr ging als um Organisatorisches? Schlimmer als Single zu sein finde ich, in einer unglücklichen Beziehung zu sein. Und: Beziehungen können auseinander gehen! Steig‘ also von deinem hohen Ross und schau lieber, wie du dir deine Eigenständigkeit bewahrst, damit du nicht kaputtgehst, solltest du irgendwann mal wieder Single sein“. Aber die Ramschware hält lieber ihren Mund. Eine mächtige Frau ist eine, die keine Emotionen zulässt Ich habe aufgehört, meinen Freundinnen Details über meine Dates zu erzählen. Sie wissen, dass ich Dates hatte und wie mein Fazit danach ist, aber kleine Anekdötchen über ihn, was er zu mir sagt oder über mich gesagt hat, Eigenheiten, die ich beobachtet habe, was in seiner Wohnung steht – sowas teile ich nicht mehr. Den Fokus daraufzulegen, was mir an ihm gefällt, das mache ich nicht mehr. Das ist schließlich ein Anfängerfehler. Jetzt bin ich fortgeschritten, jetzt suche ich FEHLER. Meine kleine Seele findet eben Wege, wie sie sich schützen kann. Ein mächtiger Mann ist einer, der keine Emotionen zulässt. Eine NOCH MÄCHTIGERE Frau ist eine, die erst recht keine Emotionen zulässt. Da guckste blöd, Björn, muhaha. Was meine persönliche Schutzstrategie im Dating-Wirrwarr bewirkt, das habe ich kürzlich gespiegelt bekommen Was meine persönliche Schutzstrategie im Dating-Wirrwarr bewirkt, das habe ich kürzlich gespiegelt bekommen. „Ich beobachte da schon eine gewisse Bindungsunsicherheit bei dir“, hat mir ein Psychotherapeut zurückgemeldet, den ich gedatet habe. „WIE KANN MAN NACH 3 JAHREN DATING IN DER HEUTIGEN ZEIT DENN KEINE BINDUNGSSTÖRUNG HABEN?“, platzte es aus mir heraus. „Wo Kontakte einfach so abgebrochen werden und es keine Verlässlichkeit mehr gibt, wo es erst heißt: ‚Lass uns gemeinsam in den Urlaub fahren‘ und zwei Wochen später hat man ‘alles überinterpretiert und es wäre besser, wenn wir uns nicht mehr sehen‘.“ Und auch mein Bruder hat mir mein Verhalten unbewusst gespiegelt. „Ist das der, der so komisch lacht, oder der, der so trantütig ist?“, fragte er ganz nebenbei, um meine Dates einzuordnen. Das hat mich schockiert. Heiliger Bimbam, dachte ich, so rede ich über Menschen? So will ich nicht sein. Ich will offen für Bindung sein. Ich will positiv über Menschen reden. Ich will Hoffnung haben. Aber Single zu sein ist halt manchmal einfach nur verdammt schwer.
- Kolumne: 10 Wochen für die Kreativität: mein Creative Sabbatical (Creabbatical)
Dieser Text erschien zuerst am 20.07.2023 auf amazedmag. Hola, ich wollte kurz Bescheid sagen: Ich bin bald off. Und zwar zehn Wochen. Keine Jour Fixes, keine Check-ins, kein emergency synchro bei Projekt-Eskalation. Ich habe frei. Please hesitate to contact me, ich bin out of office, und zwar fast drei Monate lang. Die Idee kam mir letzten Herbst. Eine Freundin war gerade von ihrer Auszeit zurückgekehrt und erzählte von ihren Eindrücken aus drei Monaten Spanien und Portugal mit dem Bulli. Mein Gedanke: „Die macht’s richtig. You only live once“. Dann dachte ich: „Ich will auch frei haben!“ Und dann: „Warum mache ich das eigentlich nicht? Theoretisch könnte ich, was hält mich davon ab?“. Das Geld reicht, ich muss keine Familie ernähren, noch nicht mal Haustiere gießen oder Pflanzen füttern. Meine Firma bietet Möglichkeiten für Auszeiten an. Am Ende wird es auf eine Mischung aus unbezahltem Urlaub, Urlaub und Überstunden-Abbau hinausgelaufen sein. Eigentlich ging es nur darum, eine Entscheidung zu treffen und mich zu trauen. Und so war der Gedankensamen gesät, mal eine berufliche Auszeit zu nehmen. Wie ein fleißiges Kresse-Pflänzchen wuchs er heran. Der größte Schritt war, mir selbst die Erlaubnis zu geben, dass mein Beruf für eine gewisse Zeit mal nicht die höchste Priorität in meinem Leben hat. Mit allen möglichen Konsequenzen. Dass Spaß, andere Interessen und persönliche Themen auch mal Vorrang haben dürfen. „Meist sieht man des Lebens Frist vor lauter Alltagsfristen nicht“, besagt ein weiser Merksatz. Also ran an den Speck, jetzt oder nie! Um mich selbst auszutricksen, dass aus dem Gedanken auch ein echter Plan wird, weihte ich meine Chefin früh ein. Nun war es ausgesprochen: „Ich will länger frei haben“. Ab da war kein Weg zurück. Und die Vorfreude stellte sich ein. Der nächste Sommer wird ein freier Sommer, wie schön! Kreativität als „Connecting the dots“ Viele nutzen so eine Auszeit, um die Welt zu bereisen. Für mich war klar: Ich möchte mich meiner Kreativität widmen, Reisen soll nicht im Fokus stehen. Die Idee für mein Creative Sabbatical oder auch Creabbatical war geboren. Vor Jahren habe ich mal einen Vortrag über Kreativität besucht, bei dem es hieß: „Kreativität, das ist ‚connecting the dots‘.“ Also die Fähigkeit, Bezüge zwischen Bereichen herzustellen, wo vorher noch keine waren. Lebenserfahrungen aus Bereich A auf Lebensbereich B zu transferieren und dadurch etwas Neues, Überraschendes zu erschaffen. So hat zum Beispiel Steve Jobs das User-Interface des Mac-Computers nur so schlicht und letztendlich ikonisch gestaltet, weil er Jahre zuvor einen Kalligraphie-Kurs besucht hat und die Eindrücke daraus bei ihm jahrelang haften blieben (nachzuhören hier ). Diese Vorstellung hat mich seit jeher fasziniert: Kreativität als lebenslanger Prozess, bei dem man Eindrücke in unterschiedlichsten Lebensbereichen sammelt („dots“), diese Eindrücke irgendwann, zu Zeitpunkt X, eine Verbindung miteinander eingehen („connecting“) und daraus etwas wahrlich Neues entsteht. Ich will in meiner Auszeit also „dots“ sammeln, Eindrücke, meinen Interessen und meiner Intuition folgen, ohne den Anspruch, dass ich davon direkt profitiere. Aber mit der festen Überzeugung, dass es mich bereichert. Um „outside the box“ zu denken, muss man eben manchmal die Box verlassen. Setting the mind: Wie geht man ein Sabbatical an? Stellt sich nur die Frage: Welche dots will ich sammeln, wie genau will ich die freie Zeit gestalten? Viele Hochschulen und Institutionen wie Volkshochschulen oder Museen bieten zwischen Juli und Ende September Kompaktkurse an, sogenannte Summer Schools. Dort kann man komprimiert Kreativwissen aufsaugen. Dazu kommt ein schier unbegrenztes Angebot an Online-Kreativkursen auf Plattformen wie domestika , skillshare , udemy oder meetyourmaster . Es gibt quasi nichts, was es nicht gibt – und mich interessiert alles: Siebdruck, Bauchtanz, Jodeln oder Musikproduktion. Aktzeichnen, Bildhauen, digitale Illustration, Videoschnitt oder kreatives Schreiben. Nach 15 Jahren in Bayern endlich mal ordentlich den bayrischen Dialekt lernen ? Mir von Anke Engelke die Grundregeln von Komik und Improvisation erklären lassen? Ins Didgeridoo-Handwerk eintauchen? JA, JA und JA! Eine Auswahl zu treffen, ist die pure Überforderung. Schon diese Aufgabe schubst mich direkt rein in die operativen Fragen rund um mein Creabbatical und damit in die Selbstreflexion: Ein paar Fragen zum Sortieren Wie voll packe ich meine freie Zeit? Ich will Gelerntes ja auch nachwirken lassen, Zeit zum Lesen haben und Raum für Spontaneität lassen. Ist 50/50 ein guter Ansatz? Also halb verplant, halb unverplant? „Creative people need time to sit around and do nothing”, hallt es in mir. Wie bewerte ich mein Creabbatical, wenn in der unverplanten Zeit doch nicht so viel entsteht, wie erhofft – und mich die Muse der Spontaneität nicht küsst? Was erhoffe ich mir? Brauche ich ein Ziel, eine Aufgabe oder vielleicht ein Mindestpensum an täglicher Kreativzeit? Was muss passiert sein, damit ich am Ende der zehn Wochen auf die Zeit zurückschaue und denke: „Das waren gute zehn Wochen“? Was soll auf gar keinen Fall passieren, was wäre mein Worst Case? Hier habe ich schon jetzt die klare Antwort: Zu viele Verpflichtungen und das Gefühl, nur die Erwartungen anderer erfüllt zu haben, anstatt das zu tun, was mir guttut. Was ist mein größter Stressor und Kreativitäts-Killer? Für mich: Ständig auf Achse und nur damit beschäftigt zu sein, meinen Koffer umzupacken. Was sind meine Fallstricke? Ich weiß zum Beispiel, dass ich mir an freien Tagen immer zu viel vornehme, weil ich unterschätze, wie lang die einzelnen Aktivitäten tatsächlich dauern. Und zuletzt der Reality-Check: Wie geht es mir eigentlich gerade? Was passiert zurzeit in meinem Leben und was brauche ich eigentlich – wie passen also meine Bedürfnisse, meine Erwartungen und Vorstellungen an die freie Zeit zusammen? Fragen über Fragen. Die eigene Lebenszeit plötzlich zur freien Verfügung zu haben, ist eben ein unbekanntes Gefühl. Ich merke außerdem, wie sehr ich im kapitalistischen Denken der Leistungsgesellschaft gefangen bin: Ich will die Zeit irgendwie „sinnvoll“ nutzen. Und sinnvoll heißt für mich verinnerlicht automatisch produktiv. Mein Plan für die zehn Wochen Von erfahrenen Sabbatical-Nehmerinnen habe ich den Tipp bekommen, dass ich mir eine Intuition setzen soll. Also eine innere Haltung, der ich in dieser Zeit folge und die ich explorieren kann. Ich habe mich für diese Intuition entschieden: Ich möchte in der freien Zeit tun, was mir Spaß macht und was sich richtig anfühlt. Kreative Lernerfahrungen jeglicher Art sollen Vorrang bekommen. Mein Creabbatical habe ich nun so aufgesetzt, dass rund 50 Prozent der Zeit unverplant ist. In der verplanten Zeit besuche ich einen Clown-Workshop in Konstanz und bin gespannt, wie Humor nur über den Einsatz von Gestik, Mimik und Körpersprache transportiert wird. Ich mache außerdem einen Improtheater-Urlaub auf Korfu , wo es morgens Input gibt zu Improtheater und Storytelling, und ab mittags wird am Strand gechillt. Ich habe außerdem unterschiedliche Onlinekurse in die engere Auswahl genommen, zum Beispiel „ Systemische Sexual- und Paartherapie von Ulrich Clement “, „ Die Psychologie der Farbe “ oder „ Geometrische Illustration für Social Media “. Außerdem sind feste Blöcke für Erholung mit Freunden und Familie eingeplant. Für die restliche Zeit heißt es: Go with the flow! Letting go and letting come! Inspiration für kreative Sommerkurse Habt ihr jetzt auch Lust auf Kreativkurse bekommen? Dann habe ich euch ein paar Möglichkeiten herausgesucht – wie wäre es zum Beispiel hiermit: 1. University of Copenhagen: Dressing the World, Theory and Practice through 2000 Years 2. Volkshochschule München: Wie schreibt man ein gutes Drehbuch? 3. Internationale Sommerakademie für bildende Kunst Salzburg: Exploring the Earth as Lover: New Approaches to Environmental Art, Theory & Activism 4. Regelmäßige Aktzeichen-Kurse in München 5. Summer School der Hochschule für Film und Fernsehen München: Comic Toolbox Masterclass, ein Handbuch des Humors 6. Online-Kurs: Einstieg in die Musikproduktion 7. Summer School der Universität der Künste Berlin: Pause and Participate. Play and Photograph. 8. Summer School der Aalto University in Finland: Design thinking and product development 9. Online-Kurs: Workshop Innenarchitektur 10. Und wer auf den Pfaden von Steve Jobs wandeln möchte: Kompaktkurs Kalligraphie an der Volkshochschule München
- Kolumne: Goodbye Elternhaus! Dieses Haus war 34 Jahre mein Zufluchtsort. Wie kann man den Abschied vorbereiten?
Dieser Text erschien zuerst am 09.05.2023 auf amazedmag. Denk ich an mein Elternhaus, dann denk ich sofort an unseren riesigen Garten. Wild und verwunschen. Hier darf wachsen, was will. Natur pur.Denk ich an mein Elternhaus, dann denk ich an die Zufahrt zum Haus. Über Hubbel und Schlaglöcher führt sie hinunter ins Tal, vorbei an Wiesen und Kühen, bis das Fachwerkhaus zur Rechten zu sehen ist. Bei Schnee und Eis eine einzige Rutschpartie. Vielen Besuchern wurde das zum Verhängnis: Dein Auto? Müssen wir jetzt hochschieben.Denk ich an mein Elternhaus, dann denk ich daran, dass Nachhausekommen schön ist. Dass es wie Pausetaste-Drücken ist. Alles wie immer, hier steht die Zeit still. Mariaweiß-Geschirr auf dem Tisch, Tee ist warm, wie war die Fahrt? Erstmal in den Kühlschrank gucken. Dieses Haus, mein Elternhaus, liebe ich über alles. Und davon möchte ich mich verabschieden. Offiziell gibt es dafür keinen Grund: Meine Eltern wohnen drin, ich bin regelmäßig zu Besuch, von Abschied keine Rede.Und doch glaube ich, dass meine Eltern dort nicht ewig wohnen werden. Oder können: Meine Mutter ist 78 Jahre alt, mein Vater 73. „Die Wehwehchen nehmen zu“, würde ich gerne schreiben, aber das ist untertrieben. 140 Quadratmeter Wohnfläche und 2500 Quadratmeter Garten pflegen sich nicht von alleine. Mein Bruder Ben muss Teile des Gartens mit der Sense mähen, so steil ist er (also der Garten). Dass meine Eltern den ganzen Platz schon lange nicht mehr brauchen, steht auf einem anderen Blatt. Was meine Eltern dazu sagen, dass ich einen Artikel über den Abschied von unserem Familienhaus schreibe? Sie wissen es nicht. Ihre Reaktion wäre wahrscheinlich: Abschied? Wieso denn Abschied? Wir bleiben hier, so lange wie’s geht. Dass sie keinen Bedarf für Abschied sehen, ist okay. Das ist ihre Realität. Viele Eltern verpassen den rechtzeitigen Absprung aus dem Familienhaus und werden irgendwann durch äußere Umstände, Notfall, Kurzzeitpflege, aus ihrem Umfeld gerissen. Viele Eltern verpassen den rechtzeitigen Absprung aus dem Familienhaus und werden irgendwann durch äußere Umstände, Notfall, Kurzzeitpflege, aus ihrem Umfeld gerissen. Dass ich hingegen Bedarf für Abschied sehe, ist meine Realität. In meinem Freundeskreis wurden schon zwei Elternhäuser verabschiedet – und ich will vorbereitet sein. Dieses Haus ist schließlich auch mein Zuhause. Es beheimatet so viel: Hier hab‘ ich laufen gelernt und mit meinen Brüdern Weihnachtsbäume geschmückt, hier hab ich als Teenie in den Vorgarten gespien und hierhin bin ich nach meiner Trennung geflüchtet. Mein Kinderzimmer gibt es noch, es ist das einzige. Da steht immer noch mein Carpe Diem an der Wand mit den hübschen, monochromen Wandbuchstaben vom Impressionen-Shop. Wenn dieses Haus weggeht, dann geht auch ein Stück von mir weg. Meine Eltern und ich, wir, müssen uns über den Zeitpunkt des Abschieds also nicht einig sein. Das hier ist meine Perspektive. Die Psychologie des Elternhaus-Verabschiedens Ein Abschiedsprozess dauert ungefähr zwei Jahre, sagen Psychologen. Nach zwei Jahren hat man realisiert, dass ein geliebter Mensch nicht mehr da ist. Gilt das auch fürs Abschiednehmen vom Elternhaus? Zwei Jahre nochmal bewusst erleben, und dann: „Jap, fertig, losgelassen, bitte nehmen Sie dieses Haus!“ sagen?Kaum etwas symbolisiert Sicherheit und Geborgenheit so stark wie das Haus der eigenen Kindheit. Ein Nest, das immer offensteht, 24/7, 365 Tage im Jahr. Ein Ort, in dem Menschen geformt werden. Will man seinem Kind einen Gefallen tun – ihm zum Beispiel ein stabiles psychisches Grundgerüst fürs Leben mitgeben – so ist es das Beste, was man tun kann: ein beständiges, warmes Zuhause schaffen. Ob Haus oder Wohnung ist dabei ganz egal. Muss man diesen Ort aufgeben, signalisiert das: Kindheit vorbei. Dann ist es Zeit, die alten Schulhefte wegzuschmeißen. Das Gefühl des Abschieds sagt: In Zukunft kannst du nicht mehr „einfach so“ Unterschlupf finden, du musst auf eigenen Beinen stehen. Wenn ich das so schreibe, berührt mich das seltsam wenig, auf eigenen Beinen stehe ich ja eh schon. Es heißt aber auch: Wenn ich in Zukunft nach Hause fahre, werde ich diesen Ort nicht mehr sehen. Ich bin zwar in der Heimatstadt, schlafe aber woanders. Ich kann zwar zum Haus gehen, es aber nicht mehr betreten. Die Schachtel, die meine Erinnerungen zusammengehalten hat, sie ist dann weg. Was hält denn dann meine Erinnerungen zusammen? Und da schwingt auch mit: Lebenszeit begrenzt, Mama und Papa sind nicht unsterblich. Das Fundament, es schwankt. Gibt es noch etwas, das ich klären will? Welchen Auftrag hat mir dieses Elternhaus mitgegeben? Habe ich diesen Auftrag erfüllt – oder will ich mich davon lösen? Nicht umsonst steht der Begriff Elternhaus auch synonym für die Familie mit ihrem prägenden, erzieherischen Einfluss. Das Elternhaus-Verabschieden als finaler Schritt der Abnabelung von Zuhause. Die Herkunft loslassen. Der einzige Weg, der nun bleibt, ist der Blick nach vorne, das Hinwenden zur eigenen Zukunft. Trennungsschmerz. Wachstumsschmerz. Den Abschied vorbereiten Seit ungefähr anderthalb Jahren denke ich, dass ich mich so langsam verabschieden sollte. Davor hatte ich die Idee verworfen, ein Tiny House in den Garten meiner Eltern zu setzen. Das wäre nett, solange meine Eltern im Haupthaus nebenan wohnen. Aber sobald Fremde vor meiner Tiny-House-Terrasse grillen, fühlt es sich nicht mehr richtig an. Seitdem versuche ich, jeden Wechsel der Jahreszeiten bewusst zu erleben. Der Frühling kommt? Mit ihm der Bärlauch neben dem Komposthaufen. Sommer heißt: Yoga in der Morgensonne mit Blick in den Wald. Der Herbst bringt Kiwis überm Hasenstall. Winter: Hoffentlich kein Schnee. Ich gehe mit offenerem Blick durchs Haus. Entdecke es, als würde ich es zum ersten Mal betreten. Hing dieses Bild schon immer da? Weshalb haben meine Eltern es angeschafft? Was verbinden sie damit? Manchmal komme ich direkt dazu, zu fragen, dann werden sie ganz nostalgisch. Oft finde ich auf diesen Touren eine Kleinigkeit, die ich unbemerkt in meine Stadtwohnung mitnehme: eine Saftkaraffe hier, eine versilberte Zuckerschale dort. Ein Stückchen Herkunft, das ich mit in meine Zukunft nehme. Auf meinem Handy habe ich einen Ordner, der „Heimkommen“ heißt. Hierhin verschiebe ich Fotos, die ich schön finde und die mich sentimental stimmen: der Garten in saftigem Grün, Johannisbeer-Baiser-Kuchen auf Silbertablett neben Mudsch; mein Vater, der Hecke schneidet. Ein Familien-Fotoshooting habe ich aus dem Studio in den Garten verlegt. Nochmal für Verewigung sorgen, für das Haus und alle, die dazugehören. Eines Tages sind die Fotos mein einziges Rückfahrticket in die Zeit von damals, als noch alles gut war. Mein Vater hat sich vor dem Haus malen lassen. Gut gelaunt, mit ausgestrecktem Daumen. Was ich noch machen will: Mir einen Ort auf neutralem Gelände suchen, von dem aus ich mein Elternhaus gut im Blick habe. Einen Ort, den ich besuchen kann, wenn dieses Haus nicht mehr uns gehört, ich nicht mehr hineingehen kann, mich aber nahe fühlen will. Einen Ort, den ich vorher noch emotional aufladen kann, vielleicht steht daneben ein Baum, in den ich ritze: „Hier sitzt Hanna, die auf ihr Elternhaus blickt und wünschte, sie könnte die Zeit anhalten.“ Musstet ihr schon euer Elternhaus oder eure Elternwohnung verabschieden? Wie habt ihr den Abschied erlebt?
- Kolumne: Dialoge mit meiner dementen Mama
Meine Mutter war Deutsch- und Englischlehrerin. Schon immer hatte sie ein Faible für Sprache. Als wir mal das Brettspiel zu "Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod" gespielt haben, ein Deutschgrammatikspiel, hat sie als Einzige die volle Punktzahl abgeräumt. Jetzt, mit dem Fortschreiten ihrer Krankheit, ist es erstaunlich zu sehen, wie ihr Kopf nachlässt, nahezu alle Fähigkeiten verloren sind und doch: die Eloquenz und das Fabulieren, die Liebe zur Sprache - sie ist noch da! Als wäre Sprache unkaputtbar, in Moleküle reingehämmert, an die die allesfressende Demenz nicht drankommt. [Ich weiß aus Erfahrungsberichten: Das ist sie nicht! Und meine größte Sorge ist, dass meine Mama irgendwann auf immer verstummt]. Manche ihrer Aussagen schreibe ich mit - sind sie doch auch Zeugnis vom Verlauf dieser schrecklichen Krankheit, von absurden Momenten, von schönen Momenten, von tieftraurigen Momenten. Viele dieser hier zusammengestellten Dialoge sind in Momenten entstanden, in denen ich kein Lebenszeichen erwartet habe. Ihr Blick leer, die Hände in der Luft, etwas für mich Unsichtbares suchend, ihr Geist auf Wanderung. Zuvor hat sie noch "8 Uhr, 120, wo, wo" gestammelt. Und dann plötzlich: ein Satz, so poetisch als wäre er aus einem Gedichteband gepurzelt: "Sag doch mal, wie sieht es in deinem Herzen aus?" Eine goldene Regel für den Umgang mit Demenzerkrankten: Lass dich drauf ein! Sinn, Logik, Wahrheit - all das sind bürgerliche Kategorien! Endlich können wir sie hinter uns lassen und ganz in die unendliche Fantasiewelt der Kranken eintauchen, denn sie haben immer Recht. Ein aktueller Post von Desideria hat mir nochmal geholfen, zu verstehen, dass Demenzerkrankte in ihrer eigenen Realität sind und Kategorien wie Lügen oder Wahrheit für sie nicht mehr existieren - allein das Gefühl und der Wunsch nach Sicherheit und Geborgenheit zählt. Die Dialoge: Ich [Auf der Intensivstation nach Schlaganfall]: Kannst du mit den Zehen wackeln? Sie: Ja, ich könnte schon mit den Zehen wackeln. Aber das fände ich absurd. Ich: Mama, hast du eigentlich in deinem Leben gespart? Sie: Nein. Dafür hatte ich nie Zeit. Ich [gebe ihr eine Schultermassage]: Wie ist das? Sie: Das lebt Sie: Die ist vielleicht beschissen [unklar, um wen es geht]. Ich: Ja, die ist richtig nervig, oder? Sie: So richtig beschissen. Da fällt mir kein anderes Wort für ein. Ich: Mama, ich habe einen Improtheaterurlaub gemacht. Eine Woche Griechenland mit einer Gruppe und jeden Vormittag hatten wir Improtheaterstunden. Sie: Und, war das erhebend? Ich: Ja, das hat total Spaß gemacht. Sie: Wie schön, dass du so viel Schönes in deinem Leben und aus Deinem Leben machst. Ich: Ich hab dich eine LKW-Ladung voll lieb. Sie: Du liebes Bisschen! Da müssen wir uns aber nochmal drüber unterhalten. Aber da haben wir ja noch ein bisschen Zeit. Aber das machen wir auch. Sie [in der Notausfnahme, Verdacht auf Schlüsselbeinbruch. Ich komme mit einer Tupperdose selbstgemachter Kartoffelsuppe von meiner Schwägerin]: Es ist überhaupt nicht mehr schön. Sie: Es ist ein Wunder, dass du da bist. Weißt du eigentlich, wie unendlich doll ich dich liebe? Sie: Es gab ja auch Zeiten, da hatten wir nicht so viel Kontakt. Erzähl mir über dich. Wie bist du aufgewachsen? Sie: Hanna, ich kann nicht mehr denken! Ich: Wie fühlt sich Denken für dich an? Sie: Als müsste ich mich hinsetzen und alles verarbeiten, was gerade passiert ist, so viel in meinem Kopf. Und ehe ich mich versehe, kommt schon das Nächste. Sie: Meine Mutti. Meine arme kleine Mutti! Ich: Ich bin da. Sie: Aber ich bin nicht da. Lieber Gott, lassen Sie mich doch gehen! Sie: Ich finde, die Zeit, die wir gemeinsam genießen konnten, die war satt und die hat uns geprägt. Die war mit viel Liebe getrüffelt. Sie: Bleib offen! Fürchte dich nicht! Du bist das beste Stück, das ich habe. Ich liebe dich!
- Kolumne: Gedanken nach 6 Monaten Onlinedating
Mein erster Eindruck: Onlinedating ist wie Kuscheltiere-Angeln mit dem Greifautomaten Das Tinder-Spiel, schonmal gespielt? 🤓 Ich war mega neugierig, wie das digitale Rumbaggern wohl so funktioniert. Es ist, was es ist, sagt die Liebe.. 💖 Könnte man jetzt sagen. Ich sage: Es ist, was du draus machst 🤹🏼♀️ Meines Erachtens zentral für die Erfahrungen mit tinder & co.: was man sich davon erwartet. Ich habe für mich inzwischen eine selbstwertschützende Einstellung gefunden. Eine Einstellung, mit der Swipen vor allem Spaß bringt und wenig frustrierend ist - am besten veranschaulicht über diese Metapher: ✨ Tindern ist wie Kuscheltiere-Angeln mit dem Greifautomaten ✨ Genau, diese Spielautomaten, mit denen man sich an abgeranzten Autobahnraststätten die Zeit vertreiben kann 🤖🎣🐻 HERE'S WHY: 🔹Man erwartet nix und will nur mal gucken, was man so angeln kann 🔹Wirklich angewiesen ist man auf keins dieser Kuscheltiere 🔹Man wirft keine 50 Euro Scheine ein, sondern investiert maximal 50 Cents 🔹Dieses eine süße Kuscheltier kriegt man nicht gegriffen 🔹Hat man ein Tier in der Roboterhand, kann es einem immer und zu jeder Zeit wieder entgleiten 🔹Das lässt sich auch nicht kontrollieren, indem man die Knöpfe fester drückt. So funktioniert das Spiel 🔹Der Erfolg des Spiels hat somit nix mit Können und/oder Persönlichkeit des Spielers zu tun 🔹Hält man ein erfolgreich erangeltes Kuscheltier in den Händen, sieht es oft ganz anders aus als durch die Automaten-Scheibe erahnt 🔹Mit diesem Kuscheltier möchte man unter Umständen nicht kuscheln 🔹Dafür können weder Spieler noch Kuscheltier etwas 🔹Man zuckt also mit den Schultern und denkt: Joa, und jetzt? 🔹Man legt es sanft auf die Fensterbank. Bestimmt kommt bald jemand, der genau dieses Tier mitnehmen möchte 🔹Dann wendet man sich dem Automaten zu und wirft weitere 50 Cents ein 🔹Mal gucken, was man so angeln kann Dieser Text ist erstmals erschienen im Mai 2021.
- Kolumne: Meine Speeddating-Erfahrung
Eine Übung im Offensein, auf verschiedene Menschen Eingehen und eine gemeinsame Gesprächsebene Finden: Speeddating Ich hab da was gemacht, das wollte ich unbedingt mal machen: Speeddating 🗣⏱️💕 Nicht, weil ich glaube, so den Mann meiner Träume zu finden. Einfach aus Neugierde, als Erfahrung und soziales Experiment. Wie ist das so, wer ist da so, und ist es wirklich so skurril wie im Film? 🧐 Soviel vorab: Jepp, it is 😅 Ich also "Speeddating München" gegoogelt, eine Freundin animiert, 22€ gelöhnt, Altersgruppe 28-42 gewählt. Und flugs stehen wir da, mitten im Parkcafe, wo sich eine Gruppe im Eingangsbereich sammelt und verschämte Blicke austauscht. "Seid ihr auch fürs Speeddating da?" Nicken. Der Erste kommt auf uns zu. "Wie ist euer Nickname?", will er wissen, sein Sprachfehler nur leicht hörbar. "Also ich bin Snoopy39", sagt er und da zerreißt es mich fast 😂 🗣 Los geht das Flirten am Fließband: Nach 7 Minuten bimmelt's, die Männer rutschen eins weiter, der nächste setzt sich und stellt die obligatorische, erste Frage: "Wie ist dein Nickname?". Den trägt man in sein Notizblatt ein. Da vermerkt man auch, ob man die Person wiedersehen möchte. Ein paar freche Flirttipps gibt's gratis dazu. Freche Flirt-Tipps vom Veranstalter ⏱️ 84 Minuten später habe ich 12 Männer kennengelernt. Snoopies, Speedy Gonzalezes und weitere. Da waren die, die "jetzt mal wirklich heiraten wollen". Die extra aus dem bayerischen Land reingefahren sind, schick im Hemd. Die erklären, dass sie als nächstes dann zu Pickup-Artists gehen, wenn das übers Speeddating nicht klappt. Und die, die sich direkt mit einer Kurzbiographie vorstellen. Die beim Online-Dating "nicht so Glück haben". Die sich große Sorgen machen: Wenn er jetzt meine Freundin UND mich wiedersehen will und es kommt zum zweiten Date mit meiner Freundin UND mir, ob wir uns dann nicht zu sehr über ihn austauschen würden? Hold your horses, Cowboy, denke ich 🐎🤠😄 Apropos zweites Date: Meine vorbereitete Frage war: "Angenommen, wir treffen uns zum zweiten Date. Was müsste ich tun, um es so richtig zu verkacken?". 🔹️Schlecht gelaunt sein 🔹️Die ganze Zeit am Handy hängen 🔹️Mich in eine Bibliothek mitnehmen waren die Antworten. Diese Frage wurde außerdem zu meiner Freundin weitergetragen, die ein paar Stühle weiter saß 😄 2️⃣ Meine zweite Frage war: "Was war ein Moment in den letzten zwei Wochen, in dem du ganz glücklich warst?". "Als mich meine dänische Dogge wachgeküsst hat 😘" - die Antwort von "Urmensch" kam wie aus der Pistole geschossen. Seelig lächelnd legte er den Kopf zur Seite, sein schmaler Zopf blitzte neckisch über die Schulter. Zuhause auf dem Land warten vier Katzen und zwei Hunde auf ihn, erklärte er 🐱🐱🐱🐱🐕🐕 Sein Hobby ist übrigens Schatzsuchen, also mit Metalldetektor bewaffnet über Felder ziehen 🥇 Der Auswertungsbogen, in den man Notizen zu jedem Date eintragen kann ▶️ Was ist nun mein Fazit? Für mich war's ne Gaudi. Eine Übung im Offensein, auf unterschiedliche Menschen Eingehen, eine Gesprächsebene Finden. Ich finde, das hat geklappt. Ich war aber auch total platt danach. Und ich weiß nicht, es ist ja dann schon schön, wenn Snoopy sowas sagt wie: "Was machst du eigentlich hier, du siehst doch ganz gut aus, du könntest doch auch normal Leute kennenlernen?" Dieser Text ist aus Februar 2023.
- Mantra: Ich habe alle Zeit der Welt
Schon beim Lesen verteilt es Ruhe in meinen Körper: das Mantra "Ich habe alle Zeit der Welt" Ich hab heute frei und da schießen mir 1000 Ideen durch die Synapsen, was ich heute alles machen könnte. Bohren, lesen, schreiben, kochen, aufräumen. ICH WILL ALLES MACHEN. Und das am liebsten gleichzeitig. Das macht mich ganz kribbelig. Was mir da hilft, ist meine Lieblingsaffirmation: Ich habe alle Zeit der Welt. Schon beim Lesen verteilt es Ruhe in meinen Körper. Ich habe alle Zeit der Welt. Und du auch 🙏🏼
- Methode: die Netzwerkkarte
Die Netzwerkkarte visualisiert die Menschen im persönlichen Netzwerk, unterteilt in verschiedene Rubriken. Vor allem in Krisensituationen hilfreich. Als bei uns im März 2023 der Krisenmodus eingetreten ist, hab ich mich mit meinem Vater hingesetzt und ihn dazu genötigt, eine Methode der systemischen Beratung mit mir umzusetzen. 🗺 Und zwar die sogenannte Netzwerkkarte. Ich bin Fan 🫶🏼 Ziel der Netzwerkkarte ist: eine Landkarte des persönlichen Netzwerks zu erstellen. Also einfach mal aufzuschreiben, wer so da ist im Leben, wer helfen kann, ein offenes Ohr hat oder einen Tipp geben kann. 🟣🟠🔴🟡 Dafür unterteilt man die Karte in verschiedene Sektionen. Ich denke, Familie und Freunde sind selbsterklärend. Statt Kollegen haben wir Bekannte notiert und mit Professionelle sind fachliche Experten gemeint, sowas wie Ärzte, Anwälte, Steuerberater, Psychologen ➡️ also Menschen oder Beratungsstellen oder Stiftungen, die Expertenrat geben können. Wie das bei uns geklappt hat? Mein Vater so: "Ich weiß, du willst mir was Gutes tun, aber du redest mir viel zu altklug daher gerade." Daraufhin hab ich ihm mal ordentlich gezeigt, wo der Hammer hängt: "Ja, du hast mir eben auch viel zu viel gelabert". Bäm, das saß. Dann sind wir angepisst schlafen gegangen 🙃 Aber immerhin haben wir vorher 32 Menschen auf der Netzwerkkarte zusammengetragen 🙏🏼 Und das war zumindest für mich ein schönes und stärkendes Gefühl zu wissen, dass so viele liebe Menschen in unserem persönlichen Netzwerk sind.
- Impuls: How to be a clown
Zwei Jahre ist es mittlerweile her. Ich stand auf einer Bühne, 17 Augenpaare erwartungsvoll auf mich gerichtet. Und ich. Machte Furzgeräusche und dachte: unangeneeeeeehm 🤡 Was für Leute besuchen einen Clownskurs? Leute, die über die Aufforderung "Tanz in der Mitte unseres Menschenkreises und alle machen dich nach, they share your frequency" NICHT "Ach du heiliger Bimbam" sagen, sondern "Oh wie cool, let's go!". Im Clown-Workshop "Zärtlichkeit im Dienste des Lachens" der Summer School der Konstanzer tamala Clownschule war das. Das hier sind Notizen, die ich im Laufe des Kurses gemacht habe - roh und unberührt. Das lernt mal also in einem Clown-Kurs: 🔸️Clowning ist zu 80% Verbindung mit dem Publikum. Der Schlüssel ist die Beobachtung, being in the moment. 🔹️Catch the melody of the other person. Create a provocation! Sodass die Menschen reagieren müssen. Perfection is boring. 🔹️ Problems are poems. Mistakes are goals. 🔸️ Du hast ein Problem, zB Rückenschmerzen? Mach es zu deinem Clown-Stil! 🔹️ Ein Clown ist niemals aggressiv. Ein Clown ist immer schwach und unterdrückt. Clowns don't oppress, they are the oppressed. A 'no' is always a no to discovery. Always say 'yes' to see what the journey brings. 🔸️As a clown, you have to like being in shit. Try to be happy while being in shit. 🔹️ Auf der Bühne wird man aus Angst aggressiv. Mach deine Angst zu deinem Freund. Nimm sie mit auf die Bühne und verwandle sie in etwas Einladendes, Zärtliches! 🔸️Play like a fool. Play like a child. Play like a lover. 🔹️You are a creator, you are an inventor. 🔸️Believe in yourself and the process. Du bist ein Träumer? Wie toll! 🔹️Make it fun!! 🔸️Make fun of yourself. With gentleness, not mocking. 🔹️Your stories are valuable. 🔸️Clowning is healing. Für ein Clown-Video von mir: Schau in mein Insta-Highlight! Auf meinem Instagram-Kanal habe ich ein ganzes Highlight zum Clown-Kurs abgespeichert, über diesen Link kannst du es dir ansehen. Mit Kostprobe meiner eigenen Clowns-Performance und einigen Videos zum Thema, u.a. meines Clown-Dozenten, Julien Cottereau, der übrigens Soundmaker ist, als Clown also sowas wie eine menschliche Soundmaschine mit einem unerschöpflichen Reichtum an Geräuschen. Ein Flipchart im Kursraum des Clown-Kurses
- Impuls: 26 Wege, kreativ zu sein
Es gibt viele Wege, wie man kreativ sein kann. Man kann: - reisen - malen - reimen - kochen - träumen - schreiben - musizieren - de-cluttern - Musik hören - Filme schauen - rumschlendern - was Neues lernen - mit Kindern spielen - einen Podcast hören - ein Geschenk basteln - Dinge zu Ende bringen - ein Museum besuchen - mit Menschen abhängen - ein Vision Board erstellen - Peoplewatching betreiben - ein Outfit zusammenstellen - eine neue Sportart ausprobieren - Motivational Speeches anschauen - einen Spaziergang durch die Natur machen - mal einen anderen Weg nach Hause nehmen - Listen machen und die Punkte der Länge nach anordnen Und doch merk‘ ich: Ich brauche am Ende des Tages ein Ergebnis. Ein Text, eine Collage, you name it. Sonst komme ich in einen Zustand, den wir Solinger_innen „undönig“ nennen: Irgendwie unzufrieden, weiß nicht, wohin mit mir selbst, irgendwie nicht zufrieden zu stellen. Prozessorientierung statt Ergebnisorientierung nennt das wohl die Kunst. Das Schöne im Tun, im Prozess sehen, ohne dass das Ergebnis zählt, das ist noch ein Lernfeld für mich. (I blame it on the Leistungsgesellschaft 🤪)
- Mantra: Eins nach dem Anderen
Für Entschleunigung und Fokus: Eins nach dem Anderen Ich habe wiederholt die Erfahrung gemacht, dass ich mich nicht zweiteilen kann, geschweige denn vierteilen. Bleibt die schnöde Erkenntnis, dass ich Eins nach dem Anderen machen muss 🤷🏼♀️ Eins nach dem Anderen - mein Mantra für Tage, an denen es ein bisschen mehr wird 🙏🏼
- Methode: das Genogramm
Genogramm - schonmal gehört? Im Grunde ist es ein Familienstammbaum. Nur mit zusätzlichen Infos. Wie beim Stammbaum geht es erstmal darum, Verwandtschaftsverhältnisse zu visualisieren. Omma, Uroppa, der Cousin dritten Grades, der bissi verrückt ist 🥴. Alle drin. Der besondere Stammbaum: psychologisch relevante Faktoren werden visualisiert 🧠 In die Darstellung werden außerdem psychologisch relevante Faktoren aufgenommen. Sowas wie Krankheiten, Adoptionen, Interaktionsmuster, Todgeburten, Trennungen, Kontaktabbrüche, Gefängnisaufenthalte... Also alle Faktoren, die Beziehungen und die soziale Prägung in irgendeiner Form beeinflussen können. Das Ziel: Transparenz über familiäre Muster herstellen 🎯 Ziel ist es, zunächst einmal Transparenz zu bekommen. Welche (Belastungs-)Faktoren liegen im Familiensystem vor, was wiederholt sich und wo? Das hilft Muster zu erkennen: In allen Generationen gab es Kontaktabbrüche zwischen Kindern und Eltern? Interessant 🧐 Die Männer der Familie haben Tendenzen, ihre Frauen sitzen zu lassen? Interessant 🧐 Es lassen sich auch Hinweise auf Traumata erkennen, die auch über Generationen hinweg weitergegeben werden können, z.B. bei Kriegserfahrungen. Jedes Zeichen im Genogramm hat eine feste Bedeutung. Die Erkenntnisse liefern Hintergrundinformationen und Erklärungsansätze für persönliche Themen 🛋 Diese Erkenntnisse kann man dann in der Familientherapie nutzen. Sie bringen wertvolle Hintergrundinformationen, bieten Anhaltspunkte, in welche Themen man tiefer eintauchen könnte und liefern Erklärungsansätze. Ein Genogramm bringt oft Muster zum Vorschein, die vorher nicht klar waren. Wie hier: Alle Mitglieder der näheren Familie haben ihre erste Ehe annullieren lassen.











